Die Festung Germersheim, ein gewaltiges Stück Zeitgeschichte
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Die Festung Germersheim
Nach dem 1815 gefassten Beschluss des Deutschen Bundes sollte Germersheim zu einer starken
Festung
ausgebaut werden und zusammen mit Landau das linke Rheinufer gegen Frankreich schützen.
Als Mittel für den Festungsbau wurden 15 Millionen Franken zur Verfügung gestellt. Mit
den Arbeiten
zum Bau der Festung wurde allerdings erst 1834 begonnen, nachdem das bayerische
Kriegsministerium den
Ingenieur-Major Friedrich Schmauß beauftragt hatte, einen Befestigungsplan auszuarbeiten.
So konnte schließlich am 30. Juni 1834 mit den Aushebungen des Hauptgrabens begonnen
werden.
Am 18. Oktober 1834 fand die Grundsteinlegung statt. Der Bau der Festung war im Oktober
des Jahres
1855 in den wesentlichen Teilen vollendet, die Fertigstellung der unterschiedlichen, ins
Vorfeld verlaufenden
gemauerten Minengänge zog sich noch bis zum Jahr 1861 hin. Im Vorgelände der Festung,
befanden
sich zehn zur Grundlage gehörende, links- und teilweise sogar rechtsrheinisch
gelegene Vorwerke und
andere Objekte. Nach dem 1. Weltkrieg musste die Festung nach den Bestimmungen des
"Versailler
Vertrages" geschleift (gesprengt) werden, sodass zu Beginn der 20er Jahre Teile der
Festung abgetragen
wurden.
Befestigungssystem
Das Innere der Stadt wurde von der sogenannten "Hauptumfassung" (Stadtumwallung)
auf einer Länge von
3200 Metern umschlossen.
Diese gliederte sich in sechs Verteidigungsabschnitte (Fronten), die nach
bayrischen Generälen aus der Zeit der Befreiungskriege benannt waren. Am stärksten
ausgebaut waren
die Fronten, die nach Westen und Südwesten ausgerichtet waren, während die im Norden und
Osten der
Stadt aufgrund der natürlichen Gegebenheiten (Altwasser, Morast, der vorgelagerte
Rheinstrom) weniger
stark ausgeführt waren.
Der Hauptumwallung im "Glacis" (Vorgelände) vorgelagert waren neun Vorwerke,
die sich auch auf die rechtsrheinisch gelegenen Germersheimer Gemarkungsteile erstreckten
und die über
den Rhein führende Schiffbrücke schützten.
Die Festung Germersheim war im sogenannten "polygonalen Kaponniersystem"
errichtet worden, das es
aufgrund vorgelagerter Grabenwehren gestattete, nahezu jeden Punkt zwischen Hauptumwallung
und
Grabenwehr im Falle eines Angriffs mit Kanonen oder Gewehrfeuer zu bestreichen.
Von den ehemaligen Befestigungswerken blieben erhalten:
- Die beiden ehemaligen Stadttore "Ludwigstor"
und "Weißenburger Tor",
- Zeughaus mit Grabenwehr (einschenklig) und
anschließender "Carnot´scher Stadtmauer",
- Ehemaliges Festungslazarett,
- Proviantamt,
- Arrestgebäude,
- Gebäude der ehemaligen "Fronte Lamotte"
(einschenklige Grabenwehr, Waffenplatz-Reduits
Teile der Hauptumwallung mit Stirnmauer),
- ehemalige "Seysselkaserne" (heute Fachbereich
Angewandte Sprach- und Kulturwissenschaft)
- Festungsabschnitt "Fronte Beckers" mit
Hauptumwallung, drei Walltraversen samt Poternen,
vorgelagerter zweischenkliger
kasemattierter Grabenwehr, Deckwall, Hauptgraben und Reduits,
- ehemalige Defensivkaserne "Stengel",
- ehemalige Kommandantur (heute prot. Dekanat)
Von den Ausmaßen und der Beschaffenheit der einstigen Anlage vermitteln noch heute die
gut
erhaltenen steinernen Relikte.